Manchmal habe ich das Gefühl mit der Wahl der richtigen Reitweise verhält es sich wie mit einer Beziehung:
❤️ Es ist wichtig, sich bewusst für eine(n) zu entscheiden und wenn man diese Entscheidung getroffen hat, nicht ständig weiter Ausschau zu halten, ob es noch etwas Besseres gibt. Denn auf den ersten Blick sehen die meisten besser aus, als sie am Ende sind.
Aber woher weiß ich, dass er/sie der/die Richtige für mich ist?
Genau wie in menschlichen Beziehungen, gibt es auch bei Reitweisen ein paar Red Flags, auf die wir achten können, um nicht zu viel Zeit in etwas zu investieren, was uns und vor allem unserem Pferd nicht gut tut.
🚩 Hier verrate ich dir meine Red Flags für Reitweisen:
- Der körperliche Zustand deines Pferdes verschlechtert sich oder stagniert auf einem Niveau, mit dem du nicht zufrieden bist.
Die Arbeit mit dem Pferd sollte seinen körperlichen Zustand verbessern, niemals verschlechtern. Wichtig ist hier vor allem wie es über einen längeren Zeitraum aussieht – denn so ziemlich jedes Pferd verbessert sich erstmal bei einem Reitweisenwechsel, weil es aus seinen alten Kompensationen heraus kommt. Aber entwickelt es im nächsten Schritt direkt neue Pathologien und neue Probleme, oder wird es wirklich einfach nur besser?
- Die Reitweise bietet keine Möglichkeit übergewichtige oder lungenkranke Pferde gesundheitsfördernd zu trainieren.
Pferde sind Lauftiere und ihr gesamter Organismus ist darauf ausgelegt sich zu bewegen, je nach Literatur 15-30 km am Tag und gerne das volle Bewegungspotential ausschöpfend. Das muss nicht immer Vollgas sein, aber eine gesunde Lunge möchte ausreichend belüftet werden. Hierzu muss das Pferd so stark in Bewegung kommen, dass es sein volles Lungenvolumen nutzt. Und auch übergewichtige Pferde brauchen neben der passenden Fütterung ein gewisses Bewegungspensum um abzunehmen. Muskelaufbau alleine reicht nicht.
- Du musst nahe an die Perfektion heran kommen, damit du deinem Pferd nicht mehr schadest.
Wenn dem so wäre, dürften nur noch Berufsreiter und ein paar wenige Auserwählte reiten, denn mal ehrlich: Wer erreicht Perfektion in einem so komplexen Hobby, neben Vollzeitjob, Familie etc.?
Was ich hingegen schon akzeptabel finde: Wenn man beim Zuschauen sieht, welchen Ausbildungsstand Pferd und Reiter wirklich haben. Nicht schmeichelhaft fürs Ego des Reiters, aber eben auch nicht auf Kosten des Pferdes.
- Dein Pferd hat dauerhaft einen hohen Therapiebedarf.
Gutes Training verbessert den Zustand des Pferdes und macht eine Dauertherapie überflüssig. Die Therapie darf phasenweise unterstützen, sollte aber nie über einen längeren Zeitraum kompensieren, was im Training schief läuft. Das ist nämlich zum einen nicht vollumfänglich möglich und geht zum anderen auf Kosten des Pferdes.
Wichtig: Natürlich geht es nicht darum, einfach auf die Therapie zu verzichten, sondern nachzuforschen, was im Training schief läuft und das zu verändern.
- Du musst im Gelände anders reiten als auf dem Platz.
Die Arbeit auf dem Platz soll dem Pferd helfen sich im „Ernstfall“ besser mit seinem Reiter verständigen zu können, also im Gelände in unbekannten Situationen trotzdem noch eine funktionierende Kommunikation zu haben. Wenn die Prinzipien, die auf dem Reitplatz geübt werden, im Gelände nicht funktionieren, funktionieren sie auch auf dem Platz nicht wirklich.
Den heutigen Blogpost hätte ich auch für mich vor ein paar Jahren schreiben können. Denn ich habe gefühlt jede existierende Reitweise ausprobiert, bevor ich meinen Weg gefunden habe. Und jeder Wechsel begann mit den Worten: DAS ist jetzt das Richtige für mich.
Ich bin englisch geritten (nicht wie im Turniersport, aber irgendwie ohne richtiges Konzept), western, war einige Zeit in der Reitkunst unterwegs und habe ins Horse Tensegrity Training reingeschaut. Und jedes Mal habe ich die folgenden Phasen durchlaufen:
- Euphorie – wie viel besser alles in der neuen Reitweise ist und wie sie meine Probleme löst
- Zweifel – als mir die ersten Probleme und Widersprüche der neuen Reitweise aufgefallen sind
- Beenden – ein unbewusstes die Augen und Ohren nach etwas besserem offen halten und dann der Wechsel dorthin, wenn ich fündig wurde
Kommt dir das bekannt vor?
Die Red Flags, die ich dir oben genannt habe, sind mir leider erst sehr spät bewusst geworden. Ich hätte viel Zeit und Geld sparen können, wenn ich früher davon gewusst hätte – und auch unsere Pferde hätten so manches nicht erdulden müssen.
Zum Schluss möchte ich auch noch die Frage aller Fragen beantworten: Was ist (in meinen Augen) die gesundheitsfördernste Art mit einem Pferd zu arbeiten?
Es ist ein Dreiklang aus dem Erklärungsmodell Biotensegrität, der Arbeit in Gebrauchshaltung und aus dieser Perspektive betrachtet und verstanden die klassische deutsche Reitlehre nach Gustav Steinbrecht.
Dieser Ansatz basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist wie von Steinbrecht gefordert „der Natur des Pferdes abgelauscht“ und lässt sich vereinbaren mit dem Wissen der alten Meister, was ihn umso glaubwürdiger macht.
Auch die praktischen Erfahrungen zeigen, dass die Pferde sich mit diesem Ansatz sehr schnell trotz teils massiver Befunde verbessern lassen und danach auch stabil bleiben. Und das nicht nur in Profi-Händen, sondern auch durch dich als Besitzer, der die Prinzipien gerade selbst erst erlernt.



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